Fürstenfeldbruck - Strukturanalyse eines Mittelzentrums

Ein Projekt der Klasse 11b im Schuljahr 1997/98

Teil 2

 
 

Stadt-Land-Beziehungen im Raum Fürstenfeldbruck Alexander Fröhlich
 

Das Bildungswesen im Landkreis Fürstenfeldbruck Christine Semmrich
 

Die Entstehung und Entwicklung Türkenfelds Eza Höstmark

Die Entwicklung der Straßen von der Römerzeit bis heute Constanze Sünwoldt & Claudia Jung

Handwerk und Industrie im Landkreis Fürstenfeldbruck Benjamin Kietzmann

 
 
 

Stadt-Land-Beziehungen im Raum Fürstenfeldbruck

Der Landkreis Fürstenfeldbruck ist der am dichtesten besiedelte Landkreis in ganz Bayern und gleichzeitig der drittkleinste unseres Bundeslandes. Insgesamt hat er circa 190 000 Einwohner, von denen ungefähr 80% im Osten und 20% im Westen wohnen, was durch die Nähe der Großstadt München und deren Ballungsraum im Osten bedingt ist.
Im Landkreis existieren zur Zeit etwa 8000 -vor allem mittelständische- Betriebe in Handwerk, Industrie und Gewerbe, die 50 000 Leute beschäftigen, von denen 38 000 sozialversicherungspflichtig sind (11 000 in FFB). Zu den wichtigsten Arbeitgebern im Landkreis zählen die Kreisverwaltung und der Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck.
Derzeit arbeiten rund 40% der 86 000 Erwerbstätigen des Landkreises auch in ihrem Landkreis und von 30% liegt der Arbeitsplatz außerhalb ihrer Heimatgemeinde. Diese 30% lassen sich in drei verschiedene Pendlergruppen unterteilen, von denen die FFB-München-Pendler mit 75% den größten Teil ausmachen. Daneben gibt es noch 7%, die in Nachbarlandkreisen arbeiten und 18%, die innerhalb des Landkreises Fürstenfeldbruck pendeln. Diese Tagespendler lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Zum einen die Ausbildungspendler, hauptsächlich Studenten und Schüler, die vorwiegend den Bus benutzen, und zum anderen die Berufspendler, welche vorwiegend mit dem eigenen PKW zum Arbeitsplatz fahren.
Zusammenfassend gibt es täglich etwa 70 000 Auspendler im Landkreis, welche im Schnitt 15-60 Minuten an Anfahrtsweg zum Arbeitsplatz benötigen und zugleich etwa 30 000 Einpendler, die nur 15-30 Minuten zur Arbeit brauchen.
 

 
 

Das Bildungswesen im Landkreis Fürstenfeldbruck

Im Mittelalter lag das Bildungswesen fast ausschließlich in den Händen der Kirche und somit für den heutigen Landkreis Fürstenfeldbruck größtenteils beim Kloster. Nachrichten aus dieser Zeit sind jedoch nur spärlich vorhanden. 1321 wird erstmals ein Bruder Konrad als Schulmeister genannt. Danach ist jedoch bis 1555 kein gesicherter Hinweis auf eine Kloster-schule vorhanden. Im Markt Bruck wird erstmals 1472 von einem Schulmeister geredet. Als Folge der Reformation wurde 1560 eine Schulvisitation vorgenommen, die eine erste Übersicht über die vorhandenen Schulen bietet. Für den Landkreis Fürstenfeldbruck liegen jedoch nur die Visitationsprotokolle für das Landgericht Dachau vor, die von insgesamt 7 Schulen sprechen: den Dorfschulen Günzelhofen, Mammendorf und Aufkirchen, den Klosterschulen Fürstenfeld und Indersdorf und den Marktschulen Dachau und Bruck. Insgesamt wurde dort festgestellt, dass an den wenigen Schulen meist sehr qualifizierte Kräfte unterrichteten. 1802 wurde die allgemeine Schulpflicht in Bayern eingeführt. Es gab jedoch noch kein geregeltes Schulsystem und viel zu geringe Löhne für die Lehrer. Deshalb waren oft Nebeneinkünfte wie Mesnerdienst nötig. Der knappe Schulraum war allerdings das größte Problem dieser Zeit. Der Bau eines eigenen Schulhauses hing sehr vom Engagement des Lehrers oder Pfarrers ab. So setzte der Mammendorfer Pfarrer sich 1794 sehr für ein eigenes Schulgebäude ein und bezahlte es zum Teil sogar aus eigener Tasche. Wo jedoch kein eigenes Schulhaus vorhanden war, musste in dem meist viel zu kleinen Wohnzimmer des Lehrers unterrichtet werden. Aufgrund dieses Raummangels wurden von 1830-1860 auf Veranlassung des Landgerichts viele Schulen gebaut, sodass 1859 32 Schulen im Landkreis vorhanden waren. Bei einer Schulvisitation wurde jedoch festgestellt, dass an den jetzt recht zahlreichen Schulen meist nur recht unqualifizierte Kräfte unterrichten.

In der Nazi-Zeit erlebte auch das Schulwesen einige Veränderungen. Die Lehrer wurden dazu gebraucht, nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten. Außerdem wurden bis 1940 fast alle privaten Schulen, die meist in kirchlicher Hand lagen, beseitigt. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war der Lehrermangel ein großes Problem, dem eine Verdoppelung der Schülerzahl durch Flüchtlingskinder gegenüberstand. Nach vielen Neubauten gab es im Landkreis 1960 53 Schulen, wobei von diesen jedoch 16 nur ein- und 10 zweiklassig waren. Um diesen "Zwergschulen", die die Weiterentwicklung des Bildungswesens sehr behinderten, entgegenzuarbeiten, wurde ein Gesetz erlassen, die kleineren Schulen zusammenzufassen. Dies stieß vor allem bei den kleineren Gemeinden auf erheblichen Widerstand, da sie sich weigerten, ihre neu erbauten Schulen wieder zu schließen.
Zur Zeit gibt es im Landkreis 17 Grund-, 6 Volks-, 8 Haupt-, und 6 Grund- und Teilhauptschulen, die im Schuljahr 1998/99 ungefähr 10890 Schüler unterrichten werden. Neben diesen staatlichen Schulen gibt es auch drei private im Landkreis, die Montessori-Schule, eine Grund- und Teilhauptschule, die versucht, behinderte und nicht behinderte Kinder zusammen zu erziehen, die private Volksschule in Grunertshofen und die Waldorfschule in Gröbenzell. Insgesamt werden dort 494 Schüler unterrichtet. Es gibt jedoch auch viele weiterführende Schulen im Landkreis, wie zum Beispiel die 4 Realschulen. Die größte unter ihnen ist wohl die Ferdinand-von-Miller-Realschule in Fürstenfeldbruck. Dort läuft seit 1995 der Versuch, die sechsstufige Realschule einzuführen, weshalb die Schülerzahlen auch angestiegen sind. Die Gymnasien im Landkreis entwickelten sich alle ähnlich: für die stetig wachsenden Schülerzahlen mussten immer neue Gebäude errichtet werden, sodass seit 1947 7 Gymnasien im Landkreis entstanden. Außerdem gibt es eine Berufsschule in Fürstenfeldbruck. 1991 hatte die Schule, die einen gewerblichen, einen kaufmännischen und einen hauswirtschaftlichen Zweig besitzt, 1677 Schüler. Die Landwirtschaftsschule wurde 1922 als Pflichtschule für alle, die in der Landwirtschaft oder in der ländlichen Hauswirtschaft tätig waren, gegründet. Heute kann man sich dort zum staatlich geprüften Wirtschafter in Landbau oder zur Hauswirtschafterin ausbilden lassen. Die Schule hat jedoch rapide sinkende Schülerzahlen, die ein Spiegelbild der strukturellen Veränderungen mit immer weniger Arbeitskräften in der Landwirtschaft sind: Während sie 1956 noch rund 400 Schüler unterrichte, waren es 7 Jahre später nicht einmal die Hälfte und 1991 nur noch 22. Neben diesen zahlreichen Schulen für Kinder und Jugendliche gibt es jedoch auch viele Fortbildungsstätten für Erwachsene, wie zum Beispiel die Volkshochschulen. Insgesamt stiegen die Teilnehmerzahlen kontinuierlich an, sodass allein die Volkshochschule der Stadt Fürstenfeldbruck 1997 13013 Teilnehmer verbuchen konnte. Außerdem steht den Erwachsenen das Evangelische Bildungswerk zur Verfügung, das von den 9 evangelischen Gemeinden des Landkreises gegründet wurde. Es hat sich als Ziel gesetzt, die Bildungsarbeit gemeinsam zu planen und zu erweitern. Das Brucker Forum, das sozusagen das katholische Gegenstück zum Evangelischen Bildungswerk darstellt, bietet Vorträge, Kurse, Exkursionen und Gesprächskreise, wobei ein Schwerpunkt bei der Eltern- und Frauenbildung liegt. Wie die Volkshochschule erlebt auch das Brucker Forum einen großen Zuwachs, weshalb sich die Doppelstunden seit der Gründung 1972 mehr als verfünffacht haben.

 
 
 


Die Entstehung und Entwicklung Türkenfelds

Türkenfeld ist erstmals im Jahre 749 n.Chr. im Salzburger Bistumsgüterverzeichnis urkund-lich erwähnt. Allerdings war die Gegend bereits viele Jahre vorher nachweislich besiedelt. Im 4.Jahrtausend v.Chr. lebten dort Jungsteinzeitmenschen , deren Gräber man 1959 bei einer Kelleraushebung fand . Weitere Grabhügel aus der Bronzezeit zeugen für Ansiedlungen im 1.Jahrtausend v.Chr. Als die Römer um 15 v.Chr. Rätien eroberten nutzten sie eine bereits von den Kelten angelegte Kult- und Fliehschanze als Schutzwall für die in Schöngeising gelegene Rast- und Erholungsstätte. Im Salzburger Bistumsgüterverzeichnis ist auch 784 der heutige Ortsteil Pleitmannswang angeführt , allerdings unter "Bleytmerswanch", gebildet aus "Blidomar", Name des Ortsgründers , und aus "-wanch" oder "-wang" , das die Hangwiese auf die der Ort gebaut ist bezeichnet. Aber nicht nur Pleitmannswang gehört zu der Gemeinde Türkenfeld , sondern auch Peutenmühle , erstmals 1150 als "Peitlmühle" erwähnt , Burgholz , ehemaliges Gut , die Klotzau , ein ehemaliger Rodungshof , und natürlich Zankenhausen , das ursprünglich eine eigene Gemeinde war und auf Grund der Wasserversorgung 1972 Türkenfeld unterstellt wurde .
Im 13. Jahrhundert wird das erste Türkenfelder Schloß gebaut , damals "Burgveste" genannt , wodurch dann Türkenfeld eine Zeitlang "Festung" wurde.
1410 Geht der gesammte Besitz der Duringer an die Aresinger über , da das Adelsgeschlecht völlig verarmt war. Nach mehreren Zwischenverkäufen gelangt es in die Hände der Staudinger (siehe Gemeindewappen) und dann 188 Jahre nach den Aresingern kauft Markus Fugger das Schloß und macht daraus ein Jagdschloß. Im 30jährigen Krieg wird es zerstört . Die Familie baut es 20 Jahre später als "Fugger Schlößl" wieder auf . Zwar wird schon 1342 ein ortsansässiger Lehrer erwähnt , allerdings findet erst 1807 ein geregelter Unterricht statt . Als Schulgebäude wurde das angrenzende Gebäude des Schlosses genutzt.
Auch ein wichtiges Jahr in der Geschichte Türkenfelds ist 1489 . In diesem Jahr wurde die kath. Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt eingeweiht . Sie ist bis heute fast orginal erhalten und wird gerade diese Jahr am Glockenturm restauriert .
In unserem Jahrhundert treten viele Veränderungen im örtlichen Leben ein . Durch das Legen von Telephonkabeln (1907) , dem Anschluß an das Stromnetz (1911) und einer eigenen Poststelle im Jahre 1929 findet die Dorfgemeinde Anschluß an die Öffentlichkeit . Die schon vorhandene Bindung zu Fürstenfeldbruck als Warenlieferant wird gestärkt . Um diese Bindung zu zeigen bindet die Gemeinde in das 1971 verabschiedete Gemeindewappen den Zisterzienserbalken ein. Türkenfeld hat aus seiner langen Geschichte viele Bräuche überliefert , wie z.B. den Silvesterritt . All jene Bräuche werden durch die verschiedensten Vereine und Vereinigungen gepflegt .

Literaturnachweis:

Wolfgang Völkl , Brucker Land uralte Kulturlandschaft , Landsberg/Lech 1987
Wolfgang Völkl , Heimatbuch der Gemeinde Türkenfeld , St. Ottilien 1991
Walter Henbach (Hg.) , Regierungsbezirk Oberbayern , Baden 1985
Dr. Florian Hufnagel , Baudenkmäler in Bayern , Oberammergau 1978


 

 
 
 


Die Entwicklung der Straßen von der Römerzeit bis heute

Standortfaktoren für den Straßenbau in unserem Landkreis sind einerseits Wasserläufe wie die Amper oder die Maisach, um Handelsgut zu transportieren, und andererseits die Mittelpunktslage zwischen Augsburg und München. Diese Standortfaktoren gelten natürlich nicht nur heute, sondern sie galten auch schon zur Zeit der Römer.
312 v. Chr. baut der Konsul Appius Claudius die erste befestigte und zu strategischen Zwecken bestimmte Straße, die 'Königin der Straßen', von Rom nach Benevent. Danach überzog sich das ganze Herrschaftsgebiet in kürzester Zeit mit einem dichten Netz von Fern- und Nebenstrassen. Diese waren zur Sicherung und Versorgung der Truppen gedacht. Sie dienten aber auch als Verbindung der einzelnen Standorte und für den Handel, hauptsächlich mit Salz.
Durch unseren Landkreis und die nächste Umgebung verliefen zwei der wichtigsten imperialen Straßen, also Straßen des römischen Reiches. Die für uns bedeutendste ist die Via Claudia Adriana. Sie führte durch unseren Landkreis über Gilching überquerte die Amper bei dem heutigen Schöngeising, und führte über Jesenwang und Purk weiter, Richtung Augsburg. Der Flussübergang war mit Bedacht gewählt, denn die Moränenhügel engten das Tal ein, und schufen auf der linken Seite einen vor Überschwemmungen sicheren Anstieg. Die heutige Straße von Schöngeising nach St. Willibald, Jesenwang, ist fast ganz die gleiche wie die der Römer. Vor einigen Jahren fand man bei der Renovierung der Kirche Fundamente der damaligen Straße unter der Erde. Daran kann man sehen, wie stabil diese Straßen gebaut waren. Sie überdauerten die Herrschaft der Römer um Jahrhunderte und prägten bis weit ins Mittelalter und auch in unsere Zeit, den Verlauf der Wege. Wichtigstes Transportgut des Mittelalters war das 'Gold des Meeres', das Salz. Straßen die Salz transportierten, wurden Salzstraßen genannt, sie führten quer durch Europa. Städte verdankten ihren Reichtum jenen Straßen, die an ihnen vorüber zogen. Wer damals die Salzsteuer einnahm, hatte die Macht. Im 12 Jahrhundert unterbrach Heinrich der Löwe den Weg der ältesten Salzstraße, die von Salzburg in den Norden führte, und verlegte sie über die Isar. Im Westen stieß dann diese Straße auf die Amper. An diesem Flussübergang entwickelte sich Fürstenfeldbruck. Auf diesem Hauptweg wurden vor allem Wein, Mehl, Getreide und natürlich Salz transportiert. Nach und nach entwickelte sich ein dichtes Straßennetz über das gesamte Kreisgebiet. Auch heute noch durchzieht solch ein Netz unseren Landkreis. Auch die Mittelpunktsfunktion zwischen den Großstädten München und Augsburg hat sich erhalten. Durch eine Bundesautobahn (A8), drei Bundesstraßen (B2, B12, B471), drei Staatsstraßen (St 2054, St 2069, St 2345) und siebzehn Kreisstraßen - insgesamt handelt es sich um rund 1050 km - ist jeder Punkt des Kreisgebiets gut zu erreichen. Man kommt immer spätestens nach 5 km an eine übergeordnete Straße. Unsere Straßen haben, dem Landratsamt zufolge, einen Ausbaugrad erreicht, der keiner grundlegenden Verbesserung mehr bedarf. Das schließt punktuelle Verbesserungen jedoch nicht aus. Ein ganz aktuelles Beispiel ist die Eschenrieder Spange. Sie soll Dauerstaus auf der B471 verhindern. Voraussichtlich wird sie am 04.09. diesen Jahres geöffnet.

Quellenverzeichnis:
- Dr. Lorenz Lampl: Fürstenfeldbruck einst und heute, EOS Verlag, St. Ottilien, 1985
- Landratsamt Fürstenfeldbruck: Der Landkreis FFB; Amper- Druck, FFB
- Karl Steininger, Franz Bauer, Herbert Reinel: Unser Landkreis FFB; Landratsamt FFB, Bayrische Verlagsanstalt GmbH, 1993
- Dr. Scheidl: Chronik unseres Landkreises, Heimatkundliche Sammlung


 

 
 
 


Handwerk und Industrie im Landkreis Fürstenfeldbruck

1.Begriffsbestimmung:
a) Industrie
Darunter versteht man die gewerbliche Verarbeitung von Rohstoffen und Halbfabrikaten in Fabriken (Fabrikindustrie) oder im Verlagssystem (Hausindustrie). Dabei sind die Grenzen zwi-schen Industrie und Handwerk fließend. Man unterscheidet z.B. Grundstoff-, Investitionsgüter-, Konsumgüter-,Nahrungs-und Genußmittel-Industrie. Merkmale der Industrie sind Arbeitsteilung, Spezialisierung, Mechanisierung und Rationalisierung der Produktion.
b) Handwerk
Das ist eine gewerbliche Tätigkeit, im wesentlichen Handtätigkeit. Kennzeichnend ist die indi-viduelle Einzelleistung im Gegensatz zur Massenerzeugung für den Markt. Der moderne Hand-werksbetrieb mechanisiert sich immer mehr. Auch die Größe ist nicht mehr kennzeichnend, obwohl Klein-und Mittelbetriebe vorherrschen. Die Abgrenzung gegen Industrie und Handel ist nur noch bedingt möglich.
c) Industriestruktur
Unter diesem Begriff versteht man die Verteilung der wirtschaftlichen Tätigkeiten auf die einzelnen Bereiche der Wirtschaft eines festgelegten Gebietes, z.B. des Landkreises Fürstenfeldbruck. Erfasst wird dabei die Größe und Zahl der jeweiligen Betriebe sowie die Zahl und Qualifikation der Beschäftigten und der Umsatz der Betriebe.

2.Darstellung der Situation im Landkreis FFB
Festzuhalten ist, dass die Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Betriebe deutlich gestiegen, die der landwirtschaftlichen Betriebe im gleichen Umfang gefallen ist. Bemerkenswert ist auch die gegenläufige Entwicklung bei den Beschäftigtenzahlen in den einzelnen Betrieben.
Für die Industrie zeigt sich folgende Entwicklung:
Trotz der starken Zunahme der nichtlandwirtschaftlichen Betriebe ist die Industriedichte (Industriebeschäftigte gemessen an der Einwohnerzahl) im Landkreis Fürstenfeldbruck weit unter dem Vergleichswert für Oberbayern. Es handelt sich außerdem fast ausschließlich um Klein- und Mittelbetriebe, die sich überwiegend im östlichen Landkreis befinden. Im Jahr 1987 wies der Landkreis 85 Unternehmen aus, die mehr als 20 Beschäftigte hatten.
Auch im Handwerk des Landkreises kam es zu einem Strukturwechsel:
Zugenommen hat die Zahl der Metallbetriebe, Betriebe für Gesundheits- und Körperpflege, Bau-betriebe, Glas-, Papier- und keramische Betriebe. Abgenommen haben Bekleidungs-, Textil- und lederverarbeitende Betriebe sowie holzbearbeiten-de Betriebe.
Gründe für diese Veränderungen liegen in dem Vordringen industrieller Produktonsverfahren, in preisgünstigen Konkurrenzangeboten aus dem Ausland und in verändertem Käuferverhalten.

3.Betrachtung von ausgewählten Gemeinden im Landkreis Fürstenfeldbruck
a) Fürstenfeldbruck (30334 Einwohner)
In der Kreisstadt waren 1987 11650 Personen in 1206 nichtlandwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt.
b)Germering (34968 Einwohner)
Die größte Stadt im Landkreis bot in 1315 Arbeitsstätten 8025 Menschen einen nichtland-wirtschaftlichen Arbeitsplatz.
c)Grafrath (2861 Einwohner)
In diesem Ort waren im Jahr 1987 586 Personen in 139 gewerblichen Betrieben (= Industrie- und Handwerk) beschäftigt.
d)Kottgeisering (1296 Einwohner)
In einer der kleinsten Gemeinden des Landkreises arbeiteten in 44 gewerblichen Arbeitsstätten 127 Menschen.

4.Betrachtung des Fliegerhorstes
Der Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck ist der größte Arbeitgeber im Landkreis. Dort sind 2800 Soldaten und 1800 Zivilisten beschäftigt. Da das Jagdbombergeschwader abgezogen wurde, sind diese Zahlen, die von 1991 stammen sicherlich nach unten zu korrigieren. Eventuell nimmt aber die Zahl der Beschäftigten wieder zu, wenn die Privatflieger, wie geplant, in das Gelände aufgenommen werden.

5.Erklärungsversuche für Veränderungen
a)Rückgang der Landwirtschaft
Die angegebenen Zahlen verdeutlichen die starke Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe und der dort beschäftigten Menschen. Hauptursachen dieser Entwicklung sind vermutlich die Konkurrenz aus der EG und vom Weltmarkt sowie der sehr große Grad an Mechanisierung in der Landwirtschaft.Die dort "freigesetzten" Menschen suchen ihre Beschäftigung in gewerblichen Betrieben oder in der näheren Umgebung.
b)Zunahme der Dienstleistungen
Die Ausweitung von handwerklichen und industriellen Arbeitsplätzen brachte in ihrem Gefolge auch eine deutliche Vergrößerung der Dienstleistungsarbeitsplätze.Daneben vollzieht sich auch im Landkreis Fürstenfeldbruck der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft, d.h., dass die Zahlen von 1987, die die Verluste an agrarischen Arbeitsplätzen verdeutlichten, bei einer neuerlichen Erfassung zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich eine deutliche Zunahme von Dienstleistungsarbeitsverhältnissen ergeben würden.
c)Sehr gute Infrastruktur
Der Landkreis besitzt eine sehr gute Infrastruktur. Genannt seien hier die drei Eisenbahnlinien (München-Augsburg, München-Lindau und München-Herrsching), die Autobahnen nach Lindau und nach Stuttgart, sowie die Bundesstraße 2, die den Landkreis quer durchschneidet.
Die Entwicklung der Landeshauptstadt München, und die gute Erreichbarkeit dieser Stadt, führte zur Entstehung oder starken Ausweitung von Orten wie Gröbenzell, Eichenau, Harthaus oder FFB-Buchenau.
Die Bevölkerung des Landkreises hat sich von 1945 bis 1970 verdoppelt. Heute ist der Landkreis Fürstenfeldbruck der dichtest besiedelte Landkreis Bayerns (1987: 177800 Einwohner auf 435 qkm). Viele dieser Bewohner finden ihren Arbeitsplatz in München und pendeln jeden Tag Auch die gut erreichbare Stadt Augsburg zieht Arbeitnehmer an. Die Konsequenz besteht darin, daß die Orte des Landkreises relativ wenig Industrie und Handwerk aufweisen und ihren Charakter als "Schlafstätten" mit hohem Freizeit- und Erholungswert pflegen.Diese Entwicklung ist jedoch nicht unproblematisch, da die Menschen ziemlich viel Zeit benötigen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen und dabei nicht geringe Umweltprobleme in der Form von Lärm und Abgas verursachen. Da die Gemeinden relativ wenige Arbeitsplätze am Ort anbieten, ist das Steueraufkommen der meisten Gemeinden aus der Gewerbesteuer ziemlich niedrig, was die Ortsentwicklung unter Umständen hemmt, da die dafür nötigen Finanzmittel nicht in ausreichender Höhe zur Verfügung stehen.

Quellen: Der Landkreis Fürstenfeldbruck "Natur-Geschichte-Kultur", Fürstenfeldbruck, 1992
dtv-Lexikon, München, 1978
Brockhaus-Enzyklopädie, Mannheim 1993
Erdkunde 11, München 1993


 

 
 
 

Diese Seite wurde erstellt von Georg Schlamp , letztes Update am 01.01.00.