Die Geschichte der Schwabacher Altstadt

Carl Ruf

Schwabachs Anfang war die Erbauung des Könighofes an einer Wegkreuzung nahe des Flusses Schwabach um 800 n. Chr. Als "villa Suabach" wird die Stadt 1117 erstmals offiziell erwähnt.
Prägend für die Altstadt Schwabachs war schließlich die Errichtung der Stadtmauer im 14. und 15. Jahrhundert, die ganze hundert Jahre in Anspruch nahm. Die Mauer besaß vier Tore und war annähernd kreisrund. Die Schwabach, von sechs Brücken überspannt, bildete die West- Ostachse.

Circa seit dem 13. Jahrhundert sollte Schwabach als Bierstadt in die Geschichte eingehen. Es war das bedeutendste Gewerbe der noch nicht mal 500 Einwohner umfassenden Ortschaft. Aber in der Blütezeit des 15. Jahrhunderts produzierten über 70 Brauereien ganze 420 Hektoliter Bier pro Jahr. Anfangs wurde lediglich Braunbier - auch Rotbier genannt - später dann auch Weißbier hergestellt und nach Straßburg sowie sogar auf der Donau nach Ungarn und Wien exportiert. Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts gilt als Blütezeit der Schwabacher Bierbrauerei.

Heute noch ist Schwabach unter anderem durch Goldschläger in der ganzen Welt bekannt, die seit dem Ende des Mittelalters in der Stadt arbeiteten. Auch Messerschmiede, Klingenschmiede und Silber- bzw. Zinnschläger waren in Schwabach vertreten. Die nahe Anbindung an Nürnberg sowie der günstige Standort Schwabachs gaben dem metallverarbeitenden Gewerbe der Stadt einen großen Aufschwung. Zusammen mit dem Nadel- und Drahtzieherhandwerk bildeten sie den Grundstein der heutigen Industrie Schwabachs.

Wirtshäuser sind in Schwabach stärker vertreten als in vielen anderen Städten, denn mehr als ganze 112 Gastronomien (Stand 1991) haben noch heute ihren Sitz in der Stadt. Davon sind 58 Speisewirtschaften, die am häufigsten vertretene Gastronomieart in der Stadt. In der Altstadt liegen ungefähr 24. Dass Schwabach eine so hohe Anzahl an Wirtshäusern aufweist, hängt natürlich stark mit dem hier ehemals sehr verbreiteten Brauereigewerbe zusammen, auch wenn bereits ein beachtlicher Anteil ausländischer Gastronomien seinen Sitz in der Stadt hat.

Am Stadtausbau im 14. Jahrhundert beteiligte sich Schwabach auch mit einer Lateinschule, welche der Anfang einer umfassenden schulischen Präsenz in der Stadt war. Im 17. und 18. Jahrhundert kamen Schulen der Hugenotten und Juden in Schwabach hinzu. 1894 wurde die Lateinschule zu einem "Königlichen Progymnasium" ausgebaut und dann 1904 auf den Schillerplatz verlegt, wo sie 1913 um eine "Realschule" erweitert wurde.

Besonders das Nadler- und Drahtzieherhandwerk wurde zum Grundstein der heutigen Industrie in Schwabach. Gezogene Drähte fanden in vielen Fabrik- & Heiminstrumenten Verwendung und Nadeln wurden in die nähere Umgebung, sowie in den vorderen Orient verkauft. Die aus den Handwerken entstehende Industrialisierung trug zu großem Reichtum der Stadt bei und viele Villen sowie Fabriken aus dieser Zeit prägten das Altstadtbild.

Aber der 30-jährige Krieg war ein verheerendes Ereignis für die Stadt. Die Truppen Wallensteins und des Herzogs von Bayern hinterließen ein zerstörtes Schwabach, nachdem es von ihnen monatelang geschleift und besetzt worden war. Am Ende des Krieges lebte nur noch ein Drittel aller Einwohner in der Stadt.

Hugenotten, die am Ende des 17. Jahrhunderts von Ludwig XIV. aus Frankreich vertrieben wurden, fanden unter anderem in Schwabach eine neue Heimat. Durch die handwerklichen Fähigkeiten der Hugenotten blühte die städtische Wirtschaft wieder auf.

Clever lösten die Schwabacher den drohenden Angriff der Amerikaner im II. Weltkrieg: Die Stadt wurde am 19. April 1945 durch die Hilfe des Bürgermeisters, zweier amerikanischer Soldaten und engagierter Bürger kampflos übergeben. Ansonsten hinterließ nur ein einziger Luftangriff britischer Bomber 1941 schwerere Schäden in diesem Krieg.


Quellen:
Stadt Schwabach (Hrsg.), Unsere Stadt Schwabach, Bamberg, 1987
www.schwabach.de
GfK Marktforschung (Hrsg.), Markt


letztes Update: 06.04.01