Typische Bauformen im Raum

Michael Lörner

Im ländlichen Bereich sowie auch bei älteren Häusern im städtischen Bereich sind in Franken zwei verschiedene Bauarten zu unterscheiden. Die eine Form, der Massivbau, stammt noch aus dem Mittelalter, wo er bei Burgen und Adelshäusern Verwendung fand. Seit der frühgeschichtlichen Zeit bis in das 18. Jahrhundert dominierte jedoch die andere Form, der Holzbau, aus dem sich das Fachwerk entwickelte. Die Blütezeit des Fachwerks beschränkte sich jedoch auf die Spanne vom 14. bis zum 17. Jahrhundert. Seit dem Mittelalter existieren Holz- und Steinbau nebeneinander, wobei natürlich dem Holzbau auf dem Land die entscheidende Rolle zukam. Während Massivbauten im Laufe der Zeit nahezu unverändert blieben, erlebten Fachwerkbauten eine Fülle von Veränderungen. Bis ins 18. Jahrhundert war der Blockbau (Schrotbau) als reine Holzbauweise mit waagrechten Balken die übliche Wandbauweise, das Fachwerk beschränkte sich auf den Giebel und die Obergeschosse. Das zeigt, dass Franken eine Übergangszone zwischen den Fachwerkgebieten Westeuropas und den Blockbaugebieten Osteuropas ist. Doch bereits seit dem 16. Jahrhundert werden gemauerte Erdgeschosse häufiger, da sich dort die Feuerstellen befanden und damit Brandgefahr bestand. Außerdem waren bei manchen Häusern die Stallungen im Erdgeschoss, welche mit Steinbau auch besser gereinigt werden konnten. Ein weiterer Vorteil des Steinbaus war, dass er Ungeziefer abhielt und die Wände durch die Feuchtigkeit des Bodens nicht mehr morsch werden konnten. Auch wird in dieser Zeit das Schmuckfachwerk häufiger. Der reine Fachwerkgiebel war allgemeines Kennzeichen des traditionellen Holzbaus in weiten Teilen Mitteleuropas und galt als typisch fränkisch.

Fachwerk

Das Fachwerk, auch Skelettbauweise genannt, besitzt tragende, raumgebende Elemente aus Holz, die namengebenden "Ge-Fache" dienen nur als raumschließende Füllung aus unterschiedlichem Material. In Franken werden vor allem Eiche, Tanne und Fichte als Bauholz verwendet. Das wichtigste Glied beim Fachwerk ist die senkrechte, in die Höhe führende Säule (Ständer, Pfosten), zwischen den Säulen sind waagrechte Hölzer, die Riegel, gespannt. Nach diesen heißt das Fachwerk in alten Schriftstücken und in der Mundart manchmal noch heute Riegelwerk oder Riegelfach. Neben diesen gibt es als 3. Glied im Fachwerk die schrägen Streben. Die Vielfalt der Strebenmuster geben dem Fachwerk in Franken seine Unterschiede und seinen Reichtum. Das vorwiegend aus Säulen, Riegeln und Streben gefügte Fachwerk muss dann gefüllt werden. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.

Einmal die Ausfachung mit strohumkleideten, leimverstrichenen Stickscheiten (gespaltenen Hölzern), die in die Gefache geklemmt sind, dann das Lehmflechtwerk, bei dem zwischen eingesetzten dünneren Hölzern Äste oder gespaltene Weidenruten geflochten sind und das Ganze wieder mit einem Lehm-Stroh-Gemisch verstrichen ist und schließlich die Bruch- und Backsteinfüllungen. All diese Formen der Gefachfüllungen können seit dem Mittelalter nachgewiesen werden, wobei die Backsteinfüllung nur von Nürnberg aus nach Süden bis zum Altmühlraum seit alters her nachgewiesen ist, nach 1600 aber weitgehend fehlt. Auch eine weitere Gefachfüllung mit eingenuteten Bohlen (dicken Brettern) und einseitigem Lehmschlag wurde nach dem 16. Jahrhundert wohl ebenfalls nicht mehr ausgeführt. Die Tatsache, dass schon im Mittelalter Bruchsteine neben Lehm zur Schließung der Gefache verwendet wurden, weist auf die Bedeutung des Steinbaus in Franken hin. Verwendet wurden örtlich vorkommendes Gestein, nämlich Kalksteine im Jura, Muschelkalk im Maingebiet, ansonsten verschiedene Sandsteine. Waren anfangs nur Gebäudeecken und Fenster- und Türgewände (im Juragebiet Eichenholz) aus gehauenen Steinen errichtet, so beginnen ab dem 17. Jahrhundert im Nürnberger Raum reine Quaderbauten Mode zu werden. Der Verdrängungsprozess des Holzbaus durch den Steinbau zieht sich über Jahrhunderte hin, das Fachwerk wird um 1900 aber immer noch im Obergeschoss und bei Wirtschaftsbauten verwendet.

Die übliche Dachform war neben dem Satteldach und dem Halbwalmdach das Vollwalmdach (Abb. 3), das erst mit Stroh, später mit Ziegeln gedeckt wurde. Zumal wegen der Brandgefahr, vor allem jedoch weil das Strohdach sehr arbeitsintensiv war und zur Zeit des 16. Jahrhunderts der Anbau von Roggen als Rohstoff zurückging.
Halbwalmdach

Beispiele für ländliche Baustile sind in der Stadt Schwabach noch relativ häufig anzutreffen, weil sich in Franken ländlicher und städtischer Baustil kaum unterscheiden, sondern in der geschichtlichen Entwicklung eng zusammengehören. Schwabach besitzt einen recht hohen Anteil spätmittelalterlicher Bauten. 1976 wurde mit der Altstadtsanierung begonnen. Bis dahin existierten in der Königsstrasse noch langgezogene Hinterhöfe mit Nebengebäuden, Scheunen und Stallungen, die zum Teil noch aus dem Spätmittelalter stammten. Vor allem rund um den Königsplatz konnten viele Baudenkmäler erhalten werden.
Königsplatz Wöhrwiese

Das wohl bekannteste Beispiel für den Fachwerkbau ist das Rathaus (Königsplatz 1). 1528/29 erbaut, besitzt es ein relativ flaches Vollwalmdach. Die Obergeschosse weisen im nördlichen Teil ein Zierfachwerk auf, welches aber wohl erst 1937 freigelegt wurde. Ein vor allem Schülern bekanntes Beispiel für den Massivbau steht an der Wöhrwiese 1. 1480 gebaut, wurde der Sandsteinquaderbau mit Satteldach als Getreidekasten genutzt. In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurde er erneuert und dient seit 1883 als Turnhalle.
Für ihre Bemühungen, die Altstadt zu erhalten, wurde die Stadt Schwabach mehrfach ausgezeichnet, u.a. 1979 mit der Verleihung der "Europa-Nostra-Medaille" (höchster europäischer Städtebaupreis) als einzige deutsche Stadt unter 400 Teilnehmern.


Quellen:
Alfred Höhn: Fachwerkbauten in Franken, Echter Verlag 1980
Helmut Gebhard u. Konrad Bedal: Herausgeber: Bauernhäuser in Bayern: Mittelfranken, Hugendubel Verlag 1994
Klaus Kratzsch u. Alexander Rauch: Baudenkmäler in Bayern: Stadt Schwabach, i-team Verlag 1978
Konrad Bedal: Häuser aus Franken, Heinrich Delp GmbH Verlag 1985
Konrad Bedal: Fachwerk vor 1600 in Franken, Bad Windsheim 1990
Heinrich Schlüpfinger,Herausgeber: Schwabach, Peter Gersbeck Verlag 1977
Geschichts u. Heimatsverein, Herausgeber: Häusergeschichte der Altstadt Schwabach, fränkische Verlagsanstalt und Buchdruckerei GmbH, Nürnberg, o.J.
Förderkreis KaKuze e.V.:Schwabach - Der Stadtführer, Alexander Mönch Verlag 1999


letztes Update: 06.04.01