Die Geschichte Schwabachs

Matthias Türk

Die frühe Geschichte

Aufgefundene Steingeräte aus der Jungsteinzeit (ca. 2000 v.Chr.) lassen auf eine erste kleine Ansiedlung schließen. Viele weitere Funde, vor allem aus der Bronzezeit (1200 - 500 v.Chr.), weisen auf eine dichte Besiedelung im Schwabacher Umkreis zu dieser Zeit hin. Vermutlich lebte zwischen 150 v. Chr. bis 200 n. Chr. in dieser Gegend eine eher ärmliche keltische Bevölkerung. Römische Kultur hatte zunächst keinen Einfluss auf diese Landschaft, da sie hinter dem Limes lag. Die eigentliche Geschichte Schwabachs beginnt erst um 500 n.Chr., als nach der Unterwerfung durch Frankenkönig Chlodwig an der Stelle der heutigen Spitalbrücke ein Königshof von Karl Martell gegründet wird. Aus dem 8. Jahrhundert stammt auch die Ortsbezeichnung "Suapaha" aus der sich im Laufe der Zeit der Name "Schwabach" entwickelt. Suapaha bedeute "die Ache des oder der Schwaben". Im 12. Jahrhundert wird "Schwabach" von dem Staufer-Herzog Friedrich von Rothenburg an Kloster Ebrach verschenkt. Etwa hundert Jahre später (1281) gelangte "Schwabach" wieder in die Hände eines weltlichen Herrschers, Rudolf I. von Habsburg. Im Jahre 1290 wird "Amt Schwabach" von Kammerstein getrennt und erscheint im "Nürnberger Reichsalbüchlein".

Die Stadt der Burg- und Markgrafen

Neun Jahre später verpfändet Rudolfs Sohn u.a. "Schwabach" an die Tochter des Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg, Gemahlin des Grafen von Nassau-Hadamar. Ab jetzt beginnt der Aufschwung "Schwabachs" unter den Nassauern.
Siegel der Gräfin Anna von Nassau von 1330

1329 tritt das Siegel, das seit 1953 als Wappen fungiert, zum ersten Mal auf. Nach dem Verkauf an den Nürnberger Burggrafen wächst die Bedeutung des Ortes immer mehr. Man geht davon aus, dass die Stadt Schwabach im Jahre 1371 offiziell gegründet wurde. Ein Beweis dafür fehlt, jedoch werden auf einer Urkunde Bürgermeister und Bürger der Stadt Schwabach genannt. Aus dem damaligen Wappen kann man die Bedeutung des Brauwesens für Schwabach erkennen. Die Voraussetzungen für ein reichhaltiges wirtschaftliches Leben sind Anfang des 15. Jahrhunderts gelegt. 1437 erleidet die Stadt durch die schwere Pestepidemie, die zahlreiche Bürger dahinraffte, einen Rückschlag. Kurz darauf gehört Schwabach zu der Markgrafschaft Ansbach. Schwabach dient ab jetzt als militärisches Bollwerk gegen Nürnberg. Die damalige Bedeutung Schwabachs zeigt sich durch die Ernennung zur "Hauptmünz und Legestatt". Während der Reformation wird Schwabach für die nächsten 300 Jahre eine rein protestantische Stadt. Aus dem Jahr 1563 ist der erste Nadler, aus dem Jahr 1572 der erste Blattgoldfabrikant nachweisbar, zwei Gewerbe, die die Stadtgeschichte noch sehr prägen werden. Im 30-jährigen Krieg schwindet die Bürgerzahl enorm. Schließlich muss Schwabach vor Wallensteins Truppen kapitulieren. Die Bevölkerungszahl steigt wieder durch die Ansiedlung sowohl von Protestanten, als auch von französisch-calvinistischen Protestanten. Immer mehr Nadel- und goldverarbeitende Fabriken werden gegründet. Für einen erneuten Rückschlag im Jahre 1771 sorgt das "Große Teuerungsjahr" und eine Epidemie, der 2000 Schwabacher zum Opfer fallen.

Die Stadt unter dem Königreich Preußen

Da der Markgraf Alexander kinderlos bleibt, fällt Schwabach an die verwandte brandenburgische Linie und wird somit 1792 preußisch. Die wirtschaftliche Blütezeit ist nicht aufzuhalten. Schwabach bekommt mit seinen 60 Brauereien den Spitznamen "Stadt der hundert Schlöte".

Schwabach eine bayerische Stadt

Die preußische Herrschaft ist nur von kurzer Dauer, da Schwabach infolge der Neuordnung Europas durch Napoleon an das bayerischen Königshaus angeschlossen wird. Während der Kriegszüge Napoleons sind in Schwabach 128.000 Soldaten stationiert. Als positiv für Schwabach stellt sich die bis 1812 industriefördernde Kontinentalsperre heraus. Viele Schwabacher müssen bei Napoleons Russlandfeldzug ihr Leben lassen. 1827 finden wieder Katholiken nach Schwabach zurück. 1846 sucht eine große Feuerbrunst Schwabach heim und sorgt für große Veränderungen im Stadtbild. Im Zuge der Industrialisierung bekommt Schwabach eine Bahnverbindung nach Nürnberg, eine moderne, maschinierte Nadelfabrik wird errichtet und neue Gewerbe, vor allem im Bereich der Metallverarbeitung gewinnen an Bedeutung. Durch die Stadtvergrößerung müssen große Teile der Stadtmauer eingerissen werden. Für viele Konkurse im Jahre 1896 sorgt der Zusammenbruch des Schwabacher Vorschussvereins.

Schwabach im 20. Jahrhundert

Anfang des 20.Jahrhunderts schwindet aufgrund außerstädtischer Konkurrenz das Braugewerbe, im Gegensatz dazu erfahren die übrigen Gewerbe einen Aufschwung. Nach dem 1. Weltkrieg und nach der Zeit der Reformen mit Arbeitern und Soldatenräten gelangt auch in Schwabach die NSDAP an die Macht. Schwabach wird im Laufe des 2.Weltkrieges das Ziel dreier Bombardements. Nach dem Krieg wird Hans Hocheder (SPD) zum ersten Nachkriegsbürgermeister ernannt. 1948 wird er zum Oberbürgermeister gewählt. Das Stadtwappen erhält 1953 seine endgültige Form. Schwabach kristallisiert sich immer mehr zur Schrauben- und Nadelstadt heraus (1969: 10,8 Millionen kg Schrauben, 2000 Arbeiter im Schraubengewerbe). 1970 kommt es zu einem innerparteilichen Wechsel des Oberbürgermeisters. Seitdem wurde Hartwig Reimann stets wiedergewählt. Unter ihm kommt es zu der Städtepartnerschaft mit Les Sables d´Olonne. Schwabach bemüht sich nach dem Krieg stets, die Stadt wiederherzustellen und ihr dabei immer ein angenehmes Flair zu verleihen. Dies gelingt der Stadt besonders in der Neugestaltung des Marktplatzes (trotz Tiefgarage). Hierfür wird Schwabach als einzige deutsche Stadt mit der Verleihung der "Europa-Nostra- Medaille", dem höchsten europäischen Städtebaupreis, ausgezeichnet. 1992 ziehen die letzten in Schwabach-Eichwasen stationierten US-Soldaten ab.


Der ehemalige Königshof, Zeichnung von G. Hetzelein, 1967

Literatur:
Förderkreis Katzwanger Kulturzentrum: Schwabach - der Stadtführer, Köln 1999
Stadt Schwabach (Heinrich Schlüpfinger): 600 Jahre Stadt Schwabach, Schwabach 1971
Friedrich Mader/Eugen Schöler: SCHWABACH - Bild einer Stadt, Nürnberg 1985

Bildquellennachweis:
Heinrich Schlüpfinger: Schwabach - Stadtgeschichte und Straßenlexikon in Wort und Bild, Schwabach 1989: S.1 (ehem. Königshof)
Heinrich Schlüpfinger: Die Stadt Schwabach, Schwabach 1994: S.1 (Siegel), S.2 (Der Goldschläger, Der Nadler)
Sandra Hoffmann-Rivero/Jürgen Sandweg: Wohlstand, Widerstand und Wandel - Schwabach 1945 bis 1979, Schwabach 2000: S.4 (Europa-Nostra-Medaille)


letztes Update: 06.04.01