Schwabacher Handwerksgeschichte in KürzeSchon im Mittelalter waren alle traditionellen Handwerksberufe in Schwabach vertreten. Eine besondere Stellung hatte die Bierbrauerei, was wir auch an den zwei gekreuzten Bierschöpfen im Schwabacher Stadtwappen erkennen können.
Im Umland Schwabachs gab es brachliegendes Gelände, das der Markgraf von Ansbach mit Flüchtlingen aus Frankreich wiederbesiedelte.
Durch den Fleiß und die Fertigkeiten der Franzosen im handwerklichen Bereich blühten diese Gewerbezweige auf. So erlebte Schwabach im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts einen großen wirtschaftliche Aufschwung. Es gab zu dieser Zeit in Schwabach 99 Fabriken, die 3555 Arbeiter beschäftigen konnten. Die Hälfte der Produktion, die einen ungefähren Wert von 500000 Gulden pro Jahr betrug, wurde exportiert! So ist es verständlich, dass Schwabach als Stadt der hundert Schlöte oder Fabriken bezeichnet wurde. Ausschlaggebend für diesen Aufschwung waren die Nadlerei, die Kattunproduktion, die Drahtindustrie und die Strumpfwirkerei. Allerdings verloren diese Industriezweige im Laufe der Jahre an wirtschaftlichem Einfluss. Die Kontinentalsperre 1806 durch Napoleon bewirkte wieder eine günstigere Entwicklung in Schwabach.
Nach dem ersten Weltkrieg mussten dann aber 128 Betriebe geschlossen und 1280 Personen arbeitslos gemeldet werden, 1927 hatte Schwabach, bei einer Einwohnerzahl von 11800, 1684 Erwerbslose! Zwei Jahre später konnte sich die Stadt aber schon wieder einigermaßen erholen und es wurden 3900 Arbeiter neu eingestellt, was gemessen an der Größe Schwabachs einen relativ hohen Anteil ausmachte. In den 30er Jahren konnte mit Hilfe des Handwerks eine weitere Belebung des Wirtschaftswachstums verzeichnet werden. In den 60er Jahren gab es dann schon 222 Betriebe, die immerhin 26 Millionen DM Jahresumsatz schafften! Im Jahre 2001 schließlich sind im Gewerbeamt ca. 3300 Betriebe gemeldet. Einige dieser Betriebe stellen allerdings einen Nebenverdienst dar!
Die Geschichte des Blattgoldes
Die Herstellung von echtem Blattgold hat eine überraschend lange und reiche Vergangenheit. Die ältesten Überlieferungen stammen aus Indien von vor fast 5000 Jahren. Von dort gelangte die Kunst über die Kulturvölker Südostasiens in die westliche Welt. Im alten Rom gab es sogar schon besondere Innungen der Goldschläger. Zunächst führten Kloster die Arbeit aus, nach und nach übernahmen dies die Handwerker.
In Schwabach ist 1572 die erste Blattgoldmanufaktur entstanden; sie wurde vom Meister Ratzert geleitet. In den Jahren 1655, 1673, 1700 und 1707 sind weitere Anfänge der Blattgoldherstellung in Schwabach nachzuvollziehen. Wie aus verschiedenen Aufzeichnungen hervorgeht, hat die Goldschlägerei zu dieser Zeit schon eine beträchtliche Gesellenschaft beschäftigt. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte der Schwabacher Handwerker Schall mit einem Fürther Handwerker die Weißmetallschlägerei, die einen ungeahnten Aufschwung erleben durfte.
1861 wurden 7 Meister mit 51 Gesellen in den Büchern als Beschäftigte im Goldschlägerhandwerk geführt. 1883 waren es bereits ca. 1000 Personen, die sich in diesem Gewerbe ihren Lebensunterhalt verdienten. So entstand in diesen Jahren ein breiter wohlhabender Mittelstand in dem kleinen Schwabach. Der gesamte Wert des verarbeiteten Scheitgoldes betrug damals 172000 Mark und die Jahresproduktion der Schwabacher Manufakturen von ca. 50 000 Büchern bildete einen Wert von ungefähr 550 000 Mark! 1899 modernisierten einige Betriebe, indem sie Federhämmer einführten und somit Zeit und Geld sparen konnten. Die einzelnen Schlägereien regelten selbst die Ausfuhrgeschäfte nach England Australien und in den Orient, ohne sich vom großen Nürnberg abhängig zu machen.
Nach dem ersten Weltkrieg gelang den kleinen Firmen ein schnelles Aufleben und der Erfolg wurde größer denn je. So wurde nach der Inflation von 1923 im Jahre 1924 in ca. 127 Betrieben produziert, die insgesamt ca. 1200 Arbeiter beschäftigten und eine jährliche Rohstoffverarbeitung von 1000kg vorweisen konnten. 1925 wurde der Exportmarkt, der immerhin 85% der Produktionsmenge betrug, jedoch beträchtlich eingeschränkt. Konkurrenten aus den USA forderten höhere Einfuhrzölle, die daraufhin um 50% erhöht wurden. Des weiteren hatte man billigere Ersatzmaterialien gefunden , die allerdings lange nicht dem Aussehen des echten Goldes glichen! Fachleute erklärten die Krise außerdem mit der Organisationslosigkeit und dem schlechten Geschäftssinn der Meister, die die Betriebe leiteten. So wurden 1931 67 Betriebe eingestellt, 14 weitere konnten vor ihrer Schließung ihre laufenden Verträge noch vollenden. Daraufhin waren im April des gleichen Jahres nur noch 88 Betriebe in den Akten vermerkt. 1951 wurde über eine Begrenzung der Exportquote auf monatlich 5kg diskutiert, was wohl das Aus für die Produktionsstätten bedeutet hätte. In der NS-Zeit dann waren durch das völlige Ausfuhrverbot Betriebe vom Bankrott bedroht. Im Jahre 1970 existierten nur noch 17 Betriebe, wobei ein Großbetrieb mit 70 Angestellten die Oberhand hatte.
Heute schließlich existieren nur noch neun Firmen, die immerhin noch rund 400 Mitarbeiter beschäftigten.
Ein Grund für die große Ansiedlung von Goldschlägern und deren besonders gute Produkte dürfte neben der natürlich einmaligen Handfertigkeit der Arbeiter auch der natürliche Standortvorteil sein: relativ stabile Luftfeuchtigkeit von 75%, ohne die die Goldschläger viel mehr Ausschuss produzieren würden!
Blattgoldherstellung nach der alten Methode
Das Rohmaterial muss zunächst bei ca. 1200-1300°C geschmolzen und in Barren (Zainen) gegossen werden; sie wiegen jetzt 70 - 140g. Nach dem Erkalten schlägt man die Zaine mit einem Amboss zu einer Stange von 2,5cm Breite und 3-4mm Stärke.
Anschließend wird sie mehrmals durch ein Silberstahlwalzwerk geschickt, um letztendlich eine Stärke von 3/100 mm und eine Länge von 35m zu bekommen. Am Ende des Arbeitsvorganges wird das Goldband luftdicht (damit keine Oxidation einsetzt) ein letztes Mal geglüht, um weicher zu werden. Davon werden dann gleich schwere Längen abgewogen, wobei eine Länge sechsmal zusammengelegt wird und 64 quadratische Stücke (Quartiere) ergibt. Für die Schlagarbeit müssen verschiedene Formen vorbereitet werden. Sie werden mit einem speziellen Fasergips, genannt Braun, versehen. Der Braun verhindert das Ankleben der Goldfolien. Nun werden die Goldblättchen zwischen Pergamentpapier gelegt (Quetsche). Dabei werden 400 bis 500 Blättern geschichtet, die in ein Kreuzband aus dünnem Leder oder Pergament gesetzt werden. Danach wird der Pack auf einen Jurakalksteinbock gelegt, mit einem ca. 11kg schwerem Schlaghammer geschlagen, was etwa eine Stunde lang dauert und hat dann eine Seitenlänge von 8-10cm. Die großgeschlagenen Blätter werden anschließend aus der Quetsche genommen und gerissen, d.h. es werden ungefähr 25 Stück aufeinandergelegt und in vier Teile geschnitten. Das sogenannte Lotgold wird in die Lotform eingelegt, die aus etwa 1200 Pergaminblättern besteht und zweitens aus Goldblättchen, die durch Hauchen in die richtige Ausgangsposition gebrachten, wurden. Diese Lotform wird ca. eine Stunde mit dem Hammer geschlagen, bis die Goldblätter eine Seitenlänge von 14cm aufweisen. Sehr dünne, hochkarätige Goldblättchen werden aus der Lotform genommen und in Dörrbücher eingelegt, in denen die Blättchen auf einer heißen Eisenplatte getrocknet werden. Nun werden sie erneut in Quartiere geteilt und in die Dünnschlagform gefüllt, wobei Goldschlägerhäutchen oder Kunststoff-Folien zwischengelegt werden. Für die Dünnschlagform braucht man ca. 2,5 bis 6 Stunden, um sie zu schlagen, wobei es verschiedene Hammer gibt:
"Anschlaghammer" (7,5 kg)
"Spitzchen" (1,5 kg)
"Setzhammer" (2,5 kg)
"Ausschlaghammer" (5,5 kg)
"Ausschlaghammer" (9 kg)
"Fertighammer" (12,5 kg)
Nach dem Fertig- oder Garmachen und exakt 6836 Schlägen (ein uralter Erfahrungswert) hat das geschlagene Blattgold eine Dicke von 1/8000 bis 1/12000 mm! Der letzte Arbeitsgang ist das Beschneiden. Die Goldbeschneiderin nimmt die Blättchen mit einer Zange aus Holz oder Ebenholz aus den Formen, legt sie auf ein Kissen und schneidet sie in die bestellte Blattgröße. Zuletzt wird das Blattgold in Seidenbücher verpackt.Die moderne Blattgoldherstellung ![]()
Die Herstellung findet größten Teils am PC statt. Um das Blattgold immer in der gleichen Farberscheinung herstellen zu können, müssen genaueste Wiegungen der Zutaten vorausgegangen sein, um die Rezepturen nicht zu verändern. Die Zutaten sind:
Material: Aufgabe: Gold Reinheit Silber Helligkeit Platin Veredelung Palladium Grau Kupfer Dunkel- Rötung
Nach dem Wiegen wird die Legierung in einem Tonschmelztiegel bei einer Temperatur von 1000 - 1500 °C im Schmelzofen durch Verbrennung von Koks oder einem Gas-Luft-Gemisch geschmolzen, was bis zu einer Stunde dauern kann. Das Schmelzgut wird in einen Barren (1cm x 4cm) gegossen und kühlt ab. Der erkaltete Barren wird nun auf 70m Höhe vorgewalzt. Der Barren ist jetzt 20cm lang und wird nach erneutem Erhitzen und Walzvorgängen auf eine Länge von bis zu 35m gebracht. Nach dem Weichglühen wird der Barren auf 7m Dicke und eine Länge von ca. 150m gebracht. Anschließend wird er ein zweites Mal weichgeglüht und in Quadraten mit der Seitenlänge von 4cm zwischen Pergamentblätter gelegt. Jeweils 2000 Blätter kommen in den Schlagautomat und werden dann ca. 15- 20 Minuten geschlagen. Als nächstes kommen die feinen Blätter auf ein mit Kreide beschichtetes Stück Papier, damit sie nicht ankleben. Sie sind mittlerweile nur noch 1/7000 mm stark und werden in diesem Zustand in Büchlein gepackt, die die Kunden in der ganzen Welt dann erreichen. Die Tagesproduktion einer modern eingerichteten Firma beträgt ungefähr fünf Barren à 1kg.
Das Verpacken in die Seidenbücher gestaltet sich allerdings äußerst schwierig, da die hauchfeinen Goldfolien gerne durch leichteste Windzüge zusammenkleben oder sogar reißen.
Ein Vorteil der handwerklichen Herstellung von Blattgold ist der Toleranzrahmen der Größe, die die Goldblättchen haben: durch den maschinellen Produktionsgang kann nur eine Einheitsbreite von 95mm Seitenlänge erreicht werden - mit Hand sind diese Maße leicht zu verändern, so dass auch Seitenlängen von bis zu 120mm möglich sind. Außerdem ist das Blattgold durch die Handbearbeitung viel weicher, als es Maschinen jemals machen können.
Produkte und Absatzmarkt:
Den Produkten der Blattgoldfabriken ist mittlerweile keine Grenze mehr gesetzt. So werden Lacke, Pinsel, Klebebänder und natürlich Blattgold, dass in 24 verschiedenen Farbvarianten vorhanden ist, hergestellt.
Der Absatzmarkt ist riesig groß, da Schwabacher Blattgold immer noch einen ungeheuer guten Ruf hat. Das Gold wird nach Amerika, Kanada, Australien, Israel und viele andere Staaten geliefert, insgesamt in 50 Länder auf der ganzen Welt.
Quellen:
Goldschlägermeister Vestner, Schwabach
NORIS Blattgold
Heinrich Schlüpfinger: "600 Jahre Schwabach; 1371-1971", Herausgeber: Stadt Schwabach,
Sandra Hoffmann-Rivero/Jürgen Sandweg: "Wohlstand, Widerstand und Wandel - Schwabach 1945 bis 1979", Schwabach 2000