Die am nördlichen Rand vom Landkreis Roth liegende Marktgemeinde Schwanstetten war nicht immer nur Schwanstetten. Bis vor gut 22 Jahren fand man diesen Ort auf keiner Landkarte eingezeichnet. Erst der Zusammenschluss der vorher selbständigen Gemeinden Leerstetten und Schwand am 1. Mai 1978 zu einer Einheitsgemeinde ließ Schwanstetten entstehen. Nahezu einmalig in Bayern erhielt die Gemeinde einen künstlichen Namen, zusammengesetzt aus Namensteilen der beiden beteiligten Ortsteile.Der Ortsteil Schwand
Schwand ist der ältere der beiden Hauptorte. Der genaue Entstehungszeitpunkt der Siedlung wird sich heute wohl nicht mehr feststellen lassen. Aber laut einem Verzeichnis der Kirchenweihen wurde die Schwander Kirche vermutlich im Jahre 1186 durch Bischof Otto von Eichstätt geweiht. Schon 100 Jahre später hat der Ort eine gewisse Bedeutung in der Umgebung erlangt. Er wird in einigen Schriftstücken als "... ein sehr alter, groß und schön gebauter Markt, der eine Kirche mit königlicher Pfarrei hat und Sitz einer königlichen Revierförsterei ist..." beschrieben.
Die kath. Kirche, die den ältesten Hinweis auf den Ort gibt, fiel zuerst im Schmalkaldischen Krieg einer Feuersbrunst zum Opfer. Dieser Krieg, der 1546/1547 vom Zusammenschluss protestantischer Fürsten und Stände geführt wurde, richtete sich gegen Kaiser Karl V und die katholischen Stände. Die Kirche wurde nach Beendigung dieses Krieges wieder aufgebaut, aber im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erneut zerstört. Auch dieses mal wurde sie neu errichtetet. Im 18. Jahrhundert war die Kirche schließlich zu klein und wurde bis auf den Turm abgerissen. Dieses spätgotische Bauwerk steht bis heute.
Schon früh hatte Schwand ein eigenes Richteramt, Halsgericht und Hochgericht. Der erste Richter ist aus dem Jahre 1434 bekannt. Der Ort hatte einen eigenen Galgen, der sich auf dem Galgenbuck, einem Hügel nördlich der Siedlung, befand. Als Schwabach zum Oberamt für Schwand wurde, fanden die Verhandlungen der Halsgerichtsbarkeit dort statt. Die Verurteilten wurden zur Urteilsvollstreckung dann nach Schwand gebracht. Die Gehängten waren dort für jedermann gut sichtbar, was zur Abschreckung diente. Angeblich blieben die Körper der Gerichteten dort hängen, bis sie halb vermodert und von Ratten zerfressen waren und von selbst herunterfielen. Sie wurden dann in einer Ecke des Friedhofs verscharrt.
Die letzte Hinrichtung ist aus dem Jahre 1790 bekannt. Der letzte Richter amtierte bis 1806.
Bedingt durch die Lage an zwei sich kreuzenden Handelsstraßen wurde Gastlichkeit in Schwand schon immer groß geschrieben. Bereits im 14. Jahrhundert ist vom Gasthaus der "Erbschenkstatt" die Rede. Dieses Gasthaus steht bis heute.
Zwar wurde das Gebäude grundlegend restauriert, jedoch gehen die Grundmauern und ein großer Teil der Raumaufteilung noch auf seinen Ursprung zurück.
Der Ortsteil Leerstetten
Der jüngere der zwei Hauptorte Schwanstettens ist Leerstetten. Er wird erstmals in einer Urkunde erwähnt, die Papst Cölestin III am 22. November 1194 unterschrieben hat.
Im dort als "Larensteten" bezeichnete Ort befand sich ein Kloster, welches wie die meisten anderen fränkischen Klöster dem Zisterzienserkloster Erbrach zinspflichtig war. Bis zur Reformationszeit war die Kirche ein viel besuchtes Wallfahrtsziel.
Die älteste bis heute erhaltene Glocke trägt die Jahreszahl 1398.
Die Leerstettner hatten in ihrer Geschichte viele verschiedene Herren. 1364 wird der Ort vom Nürnberger Burggrafen Friedrich V käuflich erworben. Als die Hohenzollern zu Markgrafen aufsteigen, fällt er an Ansbach-Bayreuth, wird 1792 preußisch und kommt schließlich 1806 zum Königreich Bayern.
Leerstetten blieb von schwerer Zerstörung großteils verschont. Jedoch erlebte die Siedlung Pest, Hunger und Plünderung, die Kleinkriege von Markgrafen und den Durchzug von spanischen und Wallensteinschen Truppen. Bei drohender Gefahr verbargen sich die Bürger hinter den schützenden Mauern ihres Kirchhofs, von welchen ein verfallener Rest noch heute erhalten ist.
Die Einwohnerzahl Leerstettens ist seit Beginn des 19.Jahrhunderts konkret überliefert. Sie blieb bis Anfang des 20. Jahrhunderts ohne größere Schwankungen bei 300. In den 1960er Jahren ging der Landverkauf einher mit dem Ausbau der Siedlung. Dies brachte eine wesentliche Änderung mit sich. Durch die Siedlungstätigkeiten hatte Leerstetten bis zur Gebietsreform 1978 eine Einwohnerzahl von 3120 erreicht.
Die Pflege und der Erhalt der Felder wurden im Mittelalter sehr gering geschätzt, obwohl die Landwirtschaft schon immer als Lebensgrundlage diente. Dies war wohl auch dadurch bedingt, dass die Markgrafen begeisterte Jäger waren und gerne mit Gästen Jagdausflüge machten, wobei sie Felder verwüsteten. Ein weiterer Grund war wohl auch das sich stark vermehrende Wild, was zur Landplage wurde. Jedoch war es den Bauern nicht gestattet, sich Selbsthilfe zu leisten, da das Jagdrecht allein der Herrschaft zustand und das Vergehen streng bestraft wurde. Dies änderte sich jedoch im Jahre 1771/1772, als eine Hungersnot hereinbrach. Die Markgrafen kamen zu der Einsicht, dass die Felder für die Volksernährung wichtiger waren als der Wald. Obwohl auf dem sandigen Boden der Gegend keine hervorragenden Erträge erzielt werden konnten, ist überliefert, dass aus Korn-, Kartoffel- und Tabakanbau gute Ergebnisse erwirtschaftet werden konnten.
Aber auch der Wald trug seinen Teil zum Überleben der Bauern bei. Die Holzkohlegewinnung, die im Mittelalter weit verbreitet war, ist bis heute erhalten.
Zu dem im Zuge der Gebietsreform entstandenen Markt Schwanstetten gehören auch die Orte Harm, Hagershof, Furth und Mittelhembach, welche um die Gemeinde selbst verteilt liegen.
Als erste Verbindung der zwei Altorte Leerstetten und Schwand wurde das Rathaus, das mit seinen Grünflächen, dem Weiher und der Gemeindehalle als Zentrum fungiert, errichtet.
Auch das Wappen der Gemeinde ist eine Nennung wert. Es geht zum Teil aus dem Wappen der früheren Marktgemeinde Schwand hervor, wobei das Hauptmotiv, der Schwan, nach der Meinung von Historikern sozusagen aus Versehen im Wappen gelandet ist. Trotzdem haben sich in früheren Jahren die Schwander und jetzt auch die neue Gemeinde Schwanstetten dafür entschieden das Wappentier zu behalten.
Die Gemeinde trägt die Bezeichnung "Markt" und hat somit das Marktrecht der ehemaligen Marktgemeinde Schwand übernommen. So wird, an alte Tradition anknüpfend, seit 1988 zweimal jährlich Markttag abgehalten. Beide Märkte finden sehr großen Zuspruch sowohl bei den Anbietern als auch bei den Besuchern.
Die Gemeinde ist mit ihren 7.500 Einwohnern die fünft größte im Landkreis Roth. Der Main-Donau-Kanal berührt im Westen das Gemeindegebiet. Die Leerstettner Schleuse gehört mit einer Hubhöhe von 24,67m zu den größten in Europa.
Die Haupterwerbsmöglichkeiten liegen zwar noch immer außerhalb des Ortes, jedoch bieten die in den letzten Jahren angesiedelten Gewerbebetriebe etwa 800 Arbeitsplätze.
Auch ist Schwanstetten 1988 mit der französischen Stadt La Haye du Puits eine Partnerschaft eingegangen, die bis heute besteht.
Wandel in der Landwirtschaft
Auch in der Landwirtschaft hat sich viel getan im Laufe der Zeit. So wohnten im Ortsteil Leerstetten früher nur Bauern. Es waren rund 37 Höfe, von denen nun in ganz Schwanstetten und Umgebung noch etwa 4 bis 5 die Landwirtschaft haupterwerblich betreiben und einige wenige im Nebenerwerb übrig geblieben sind. Mit diesem Umbruch hat sich auch das Ansehen der Bauern in der Gesellschaft geändert. Bestand der Gemeinderat früher nur aus ihnen, so findet sich nun kaum einer mehr unter den Gewählten. Auf Anmerkungen ihrerseits hin, dass sie bei Entscheidungen der Gemeinde zu wenig berücksichtigt werden, kam die Aufforderung, doch dem Marktgemeinderat beizutreten. Dies ist den Landwirten aber schon allein deshalb nicht möglich, da die Sitzungen zu Zeiten abgehalten werden, in welchen ein Bauer noch arbeiten muss. Zudem haben schon die Kinder im Kindergarten mit starken Vorurteilen zu kämpfen, was nicht gerade für die Mentalität der zugezogenen Schwanstettner spricht.
Aber nicht nur ihre gesellschaftliche Stellung, sondern auch die Landwirte selbst haben sich geändert. So ist das Freizeitbewusstsein auch unter ihnen stark gestiegen. Gegenüber zu früher ist es ihnen auch möglich, wegen der Entwicklung von besseren Maschinen, diesem nachzugehen.
Früher lebten wesentlich mehr Personen auf kleinerem Raum zusammen. Die gesamte Großfamilie hat beim Bestellen der Felder geholfen. Zudem gab es auch noch weitere Hilfskräfte. Da man außer einem Pflug, einem Ochsen als Nutztier und später einer Sämaschine kaum weitere Mittel zur Verfügung hatte, war es wesentlich mühsamer Erträge zu erzielen als heute. Jedoch war die Arbeit wesentlich abwechslungsreicher und nicht so monoton wie jetzt. So wird heute im Gegensatz zu früher gut das Dreifache der Felder bestellt. Die Folge davon ist, dass auch wesentlich mehr Tiere gehalten werden können, da damals der Futteranbau beschränkt war.
Auch hat sich der Vertrieb des erwirtschafteten geändert. Vor einiger Zeit haben die Landwirte großteils vom Direktvertrieb an Privatleute gelebt. Nun wird an große Firmen verkauft, wobei z.B. bei Milch nicht mehr nach Litern gezahlt wird, sondern nach den Inhaltsstoffen, die diese enthält. Auch beim Fleisch ist dies nicht anders. Die Tiere werden abgeholt und geschlachtet. Je nachdem, ob dieses mager ist oder nicht, wird ein bestimmter Preis dafür gezahlt.
Was dem Bauern speziell abgenommen wird, schreibt im Allgemeinen die Gesellschaft vor. Deshalb ist die BSE - Krise momentan schlimm für die Landwirte, da sie ihre Rinder nicht losbekommen und somit im Stall kein Platz für Jungtiere ist. Auch nehmen große Firmen Rinder nur bis zu einem bestimmten Alter ab. So kann der Landwirt Tiere nicht halten und zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen, da alte nicht mehr abgenommen werden. Das ist auch mit der Grund, warum gerade Bauern die Leidtragenden der Krankheit sind.
Quellen:
Frau Neumaier vom Kulturamt der Gemeinde;
Presseartikel vom Januar 2000;
Landwirt aus Schwanstetten