Leistungen, Gefahren und Entwicklung des Waldes

Petra Lehner

Leistungen

Die sicherlich bedeutendste Leistung ist die Sauerstoffproduktion. In der Photosynthese wird Kohlenstoffdioxid mit Wasser in Traubenzucker und Sauerstoff umgesetzt.

6CO2 + 6H2O C6H12O6 + 6O2
Den Traubenzucker benötigt der Baum, wie jede andere Pflanze, um zu wachsen. Der Sauerstoff ist lediglich ein Abfallprodukt.
Wächst der Baum, lagert er aus CO2 entstehenden Kohlenstoff in das Holz ein. Dadurch wird das umweltschädliche Kohlenstoffdioxid in der Luft reduziert. Erst wenn das Holz verrottet oder verbrennt, wird der Kohlenstoff wieder frei und oxidiert zu CO2. In unseren Breiten handelt man zur Zeit nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Es werden mindestens genauso viele neue Bäume gepflanzt wie gefällt werden. Daher wird kein zusätzliches CO2 bei der Holzverbrennung frei.

Eine weitere herausragende Leistung ist der geschlossene Nährstoffkreislauf. In unserer ertragsorientierten Gesellschaft müssen fast alle landwirtschaftlichen Felder gedüngt. Im Wald dagegen verrottet alles, was auf den Boden fällt. Dann wird es von den Wurzeln aufgenommen und wieder verarbeitet. Die tropischen Regenwälder funktionieren nach dem selben Prinzip, nur geht die Kompostierung dort erheblich schneller voran. Gleichzeitig sind Bäume sehr genügsam. Ein Hektar Fichten entzieht dem Boden nur 4 Kilogramm Stickstoff pro Jahr, Zuckerrüben dagegen 220 kg.

Holz ist wohl eines der ältesten Naturprodukte, die von Menschen (aus-) genutzt werden. Das System der Holzverbrennung hat man vom einfachen Lagerfeuer zur elektronisch gesteuerten Hackschnitzelanlage verbessert.

Diese ist nach heutigem Stand die effektivste Verfeuerungsmethode. In Schwabach gibt es zwei Anlagen, eine in privater Hand, die andere beheizt das Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium.
Die Stadt Schwabach erteilte der "Schwabacher Abfall GmbH" 1996 den Auftrag zum Bau einer solchen Anlage, als Ersatz für die veraltete Ölheizung. Diese Firma ist ein Dienstleistungsunternehmen mit 25 Mitarbeitern. Seit 1991 beschäftigen sie sich mit dem Einsatz alternativer Energieträger in Großanlagen. Die Anlage funktioniert ähnlich wie eine herkömmliche Ölheizung: Von einem unterirdischen, 130m3 großen Bunker werden über eine Förderschnecke die Hackschnitzel in den Heizkeller transportiert. Die bei der Verbrennung entstehende heiße Luft wird durch Rohre zwischen kaltem Wasser hindurchgeleitet. Das wird dadurch erwärmt und fließt in die Heizkörper.
Dieses Heizsystem hat viele Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Ölheizung: Es werden sowohl 70000 Liter Heizöl, als auch 200 Tonnen CO2 pro Jahr und giftige Schwefelemissionen eingespart. Außerdem wurden Verträge mit zehn Forstwirten abgeschlossen, damit sie zwölf Jahre lang Holz liefern und dafür 30000 DM pro Jahr bekommen. Damit erhält man Arbeitsplätze in der Region. www.carmen-ev.de

Neben der Verfeuerung wird Holz auch vielfach für den Möbelbau verwendet. So wurden 1993 in Deutschland fast 3,5 Millionen Tische und 33 Millionen Schränke hergestellt. Dieser Werkstoff ist so vielfältig einsetzbar, dass er aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Weitere Verwendungsbeispiele: Telefonmasten, Straßenpfosten, Türen, Parkettböden, Gartenmöbel, Furnier als Verzierung auf verschiedensten Gegenständen.

Als weitere Dienstleistung neben der Sauerstoffproduktion dienen uns die Wohlfahrtsleistungen:
-Straßenschutz: Abhalten starker Windböen oder Schneeverwehungen
-Lawinenschutz: Verhindern oder Abbremsen von Lawinen
-Lärmschutz: Wald wirkt an Autobahnen wie eine Schallmauer
-Immissionsschutz: Herausfiltern von Abgasen aus der Luft (an Autobahnen)
-Landschaftsbild: auch als Sichtschutz unschöner Funktionsbauten einsetzbar
-Bodenschutz: verhindert Erosion, Humusschwund und Erdrutschungen
-Erholung: 2/3 aller Deutschen machen mind. einmal pro Jahr einen Waldspaziergang
-Wasserschutz: Reinigung des Oberflächen- und Grundwassers, stetiger Wasserspender

Im Anschluss eine Tabelle über die Bedeutung der einzelnen Wohlfahrtsleistungen:
Tabelle wird nachgereicht
Auffällig dabei ist, dass fast jedem Waldstück außer der Gewinnbringung für den Landwirt eine oder auch mehrere Wohlfahrtsleistungen ausübt.

Gefahren

Als Umweltschutz den Deutschen noch unbekannt war, gab es große Waldschäden durch sauren Regen. Auch eine zu verschmutzte Luft lässt den Wald absterben. Beides sind Wohlfahrtsleistung im Übermaß.
Immer noch gibt es bei uns großflächige Monokulturen. Diese begünstigen den Insektenbefall in enormen Maße. Vor allem die Raupen der Nonnen- und Kiefernspannerschmetterlinge vernichten bei uns immer wieder 10 000de Hektar.

Die weitaus größten Schäden richten allerdings Orkane an. Man erinnere sich an "Lothar" am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999. Vor allem in Süddeutschland richtete er gewaltige Schäden an. Teilweise wurden mehr Bäume umgeworfen, als in sieben Jahren gezielt gefällt worden wären. Vor allem waren Fichtenbestände betroffen, da diese flache Wurzeln haben. Unsere Steckerlaswälder bestehen hauptsächlich aus tiefer wurzelnden Kiefern. Daher gab es in Schwabach nur vereinzelt entwurzelte Bäume. Dennoch sanken die Preise für Fichten um 30% - 40 %, da man den extremen Preisverfall anderer Regionen mitzutragen hatte.
Das Holz musste sofort aus dem Wald geschafft und damit auf den Markt gebracht werden, weil sich sonst Borkenkäfer durch das tote Holz gefressen und es vernichtet hätten.


Sturmschäden 1990

Entwicklung des Waldbildes über die Jahrhunderte hinweg

Während der letzten Eiszeit gab es bei uns keine Bäume. Es war zu kalt für sie. Ihr Rückzugsgebiet lag in Süd- und Südosteuropa. Als es vor 10000 Jahren wieder wärmer wurde, kehrten die Bäume auch in unsere Gefilde zurück. Fast das ganze deutsche Gebiet war mit Eichen- und Buchenmischwäldern bedeckt. Vor circa 6000 Jahren wurden in der Jungsteinzeit erste kleine Waldflächen für den Ackerbau gerodet. In der Römerzeit wurden diese größer. Für die zahlreichen Siedlungen und den Limes wurde viel Holz gebraucht. Im Mittelalter wächst die Bevölkerungszahl explosionsartig. Man brauchte mehr Siedlungsfläche und Ackerland. Nach gewaltigen Rodungen ist Deutschland nur noch zu einem Drittel mit Wald bedeckt. Auch heute besteht das Verhältnis 1:2 von Wald zu Feldfläche noch. Neben der Verfeuerung wurde viel Holz in Fachwerkhäusern, wie unserem Rathaus, verbaut. Daneben diente der Wald auch noch als Weidefläche für Kühe und Schafe. Schweine wurden mit Eicheln gemästet. Waldbienen mussten Honig für die Nürnberger Lebkuchen produzieren. Vor allem in den Städten machte sich dieser Raubbau bald durch Holzmangel bemerkbar.



Kahlflächen durch Kiefernspannerfraß 1892 - 1896

So wurde 1368 zum ersten Mal durch den reichen Ritter Peter Stromer wiederaufgeforstet. Dazu steckte man Kiefern- und Fichtenzapfen in den Boden. Nach einigen Jahren hatte man damit so viel Erfolg, dass sogenannte "Tannensäer" sogar bis nach Spanien zogen, um dort von Römern gerodete Flächen wieder zu bepflanzen. Bei uns geschah dies aber nicht in ausreichendem Maße. Daher musste 1465 die erste Waldordnung eingeführt werden. Sie sollte vor übermäßiger und schädlicher Nutzung schützen. Außerdem schreibt sie einen einheitlichen Preis für alle Walderzeugnisse vor.
Damit schaffte man es endlich den Wald einigermaßen zu erhalten. Doch Ende des 17. Jahrhundert kam die Streunutzung auf. Dabei werden alle Blätter, Äste und Ähnliches, die auf den Boden gefallen sind, zusammengerecht und als Einstreu in den Viehställen verwendet. Dem geschlossenen Ökosystem wurden dadurch auf schädlichste Weise viele Nährstoffe entzogen.
Zusammen mit der Nutzung als Weidefläche und Holzeinschlag reduzierte sich die Waldfläche in unseren Gebieten so drastisch, bis man von der Nürnberger Burg bis nach Ansbach schauen konnte. Gleichzeitig damit erkannte man Ende des 18. Jahrhundert das Prinzip der Nachhaltigkeit. Das ist die Geburt unserer heutigen Forstwirtschaft. Immer mehr Wiederaufforstungen wurden durchgeführt. Doch die Monokulturen wurden schnell wieder durch Sturmwurf, Schneebruch und Insektenbefall vernichtet. 1892 wurden zum Beispiel 10000 Hektar durch Kieferspannerraupen aufgefressen. Große Holzeinschläge gab es erst wieder in den Weltkriegen, denn es war das einzige Heizmittel. Wiederum gab es riesige Flächen an Brachland. Danach wurde schnell wieder angepflanzt, da man erkannte, dass durch kahle Flächen, ähnlich wie im Regenwald, der wertvolle Humus verweht wird und der Grundwasserspiegel absinkt. Intelligenterweise wurden Mischwälder gepflanzt. Doch die Laubbäume wurden durch Spätfröste und Wildverbiss vernichtet. Heutzutage kann man unter das vor Wetterkapriolen schützende Dach der Nadelbäume Laubbäume neu pflanzen. Die Zahl dieser Bäume liegt aber erst bei 1 - 2% je Buche und Eiche. Auch Fichten und Lärchen sind nicht stärker verbreitet.
Einfügen: Aufforstungen

Die meisten Wälder sind zwischen 0,5 und 8 Hektar groß, vereinzelt auch bis zu 20 Hektar. Verteilt sind diese Gebiete auf 6000 Waldbauern und Staatswald. Der Stadt Schwabach gehören noch mal 320 Hektar, betreut von dem engagierten Stadtförster Herr Knotz. Falls Fragen bestehen bzw. nach bestimmten Holzprodukten gesucht wird kann man ihn in seinen Sprechstunden am Dienstag ab 10 Uhr und am Donnerstag ab 14 Uhr darauf ansprechen.


Quellen:
Stadtförster Herr Knotz
"Der Wald in Mittelfranken" Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Dezember 1995
"Infodienst Holz", Deutsche Gesellschaft für Holzforschung e.V., Oktober 1994
http://www.carmen-ev.de
Schwabacher Abfallwirtschafts-GmbH, Herr Zimmermann


letztes Update: 06.04.01